Göttliche Äpfel

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Gunnar
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Göttliche Äpfel

Beitrag von Gunnar » Mo 12. Feb 2018, 16:13

"Göttliche" Äpfel

Außer Atem stieß der kleine Junge mit dem blonden kurzen Haar auf seine Freunde, die schon sehnsüchtig auf ihren Freund Timmy warteten. Viel zu früh waren seine Freunde auf den alten Spielplatz, in der Nähe ihres Zuhauses, gekommen, weswegen sie sich jetzt alle um den kleinen Timmy scharten der sie über glücklich mit seinen strahlend blauen Augen ansah.
„Hast du sie?“ löcherte ihn so gleich sein bester Freund Mark.
Triumphierend gab der kleine Timmy jedem seiner Freunde einen dunkelroten Apfel.
„Timmy du bist wahnsinnig.“ Begeistert klopfe Mark ihm auf die Schulter, „ich wusste immer schon, dass du es eines Tages schaffen würdest.“
Seit dem Zeitpunkt, als die beiden Freunde das erste Mal an der mit hohem Maschendraht eingezäunten Apfel Plantage vorbei kamen, wussten sie, dass sie eines Tages die Äpfel von diesen Bäumen essen würden. Wie oft hatten sie versucht an einen der Äpfel zu kommen, doch blieb jede ihre Bemühungen vergeblich. Kassierten dafür etliche Stromschläge, da der Zaun um der Plantage herum unter Strom stand. Sogar die übelsten Schimpfworte, die die Besitzer der Plantage ihnen hinter her riefen, brachten die beiden Freunde nicht von ihren Plan ab. Für sie stand einfach nur fest, Äpfel die so bewacht wurden, mussten göttlich sein.
Verlegen kratze sich Timmy am Kopf, sein Freund musste nicht wissen, dass er zusammen mit seinen Eltern auf dem Bauernhof war, zu der die Plantage gehörte. Genauso wenig musste er wissen, dass Timmy einfach durch die Tür im Zaun, die einfach offen stand, gegangen war und sich die Äpfel ohne große Anstrengung vom Baum pflücken konnte.
„Ey nicht so bescheiden mein Freund. Immerhin hast du es da rein geschafft. Mann, wäre ich ein Mädchen ich würde dich küssen.“
Angewidert verdrehte Timmy die Augen und sah stattdessen auf seinen dunkel roten Apfel.
Noch nie in seinem Leben hatte er einen Apfel gesehen der so eine schöne Farbe hatte, es kam ihm vor, als hätten Engel dem Apfel diese wunderschöne Farbe gegeben.
„Jetzt schau ihn dir doch nicht so genau an, iss ihn lieber, der schmeckt so was von göttlich. So wie wir ihn uns immer vorgestellt haben“, sprach ihn Mark mit vollem Mund an, er hatte seinen Apfel schon fast aufgegessen.
Zustimmend nickte der kleine Timmy seinen Freund zu und tat es seinen Freunden gleich - er biss in den schönen Apfel.
Begeistert nickte Timmy seinem Freund zu, er schmeckte wirklich so, wie sie es sich immer gedacht hatten. Dieser Geschmack war nicht mit den Äpfeln zu vergleichen, die sie sonst aßen. Er war süß und doch herzhaft. Sein Fleisch war fest und saftig – einfach göttlich.

Stunden später beim Abendessen stocherte Timmy nur mit der Gabel in den Spagetti herum und das, wo er sich doch so sehr darauf gefreut hatte.
„Schatz ist irgendwas?“ sprach ihn seine Mutter an, der Timmys Verhalten gar nicht gefiel.
„Ne ist alles in Butter“, log er seine Mutter an, denn es ging ihm gar nicht gut.
Schon seit dem er wieder zu Hause war grummelte es ordentlich in seinem Magen, und dass er sich schon zweimal übergeben hatte, verschwieg er auch. Er wusste wie schnell seine Mutter überreagierte, wenn er etwas hatte, schon so oft hatte sie einen Notarzt gerufen, obwohl Timmy nicht mal annähernd etwas hatte, was man Krankheit hätte nennen können.
„Du sollst deine Mutter nicht anlügen Tim“, tadelte ihn nun sein Vater.
„Ich habe einfach keinen Hunger“, schrie Timmy seine Eltern an und rannte in sein Zimmer.
Überaus besorgt sahen sich seine Eltern an und folgten ihrem Sohn nach Kurzem. Sein Verhalten war ihnen vollends fremd.
„Timmy, wenn du was hast, dann sag es uns bitte. Wir sehen es dir doch an, dass du etwas hast“, redete seine Mutter drauf los, kaum, dass sie die Tür geöffnet hatte.
Etwas zögerlich trat seine Mutter auf ihren Sohn zu und berührte ihn an der Schulter.
„Timmy? Hörst du mir überhaupt zu?“
Sie erhielt keine Antwort.
Angsterfüllt sah sie zu ihrem Mann und schrie ihm mit stummen Worten zu, dass er doch was tun soll.
Er sah seine Frau aber nur ratlos an.
„Ruf nen Notarzt du Blödmann, oder sieht das für dich so aus, als würde dein Sohn schlafen?“
„Bist du dir sicher? Für Bauchweh braucht man doch keinen Notarzt?!“
„PAUL!“ schrie sie ihren Mann an, der darauf sofort das tat, was seine Frau wollte.
Er eilte zum Telefon und erzählte der freundlichen Frau in der Leitstelle alles, was er wusste und auch das, was sie eigentlich gar nicht zu wissen brauchte.
Timmys Vater legte den Hörer erleichtert auf, als man ihm versicherte, dass ein Team schon zu ihm auf dem Weg sei. Er wollte gerade schon vor die Haustüre gehen, als das Telefon schellte. Unschlüssig sah er von Tür zum Telefon, entschied sich fürs Telefon und nahm ab.
„Oh Paul, es ist so schlimm. Alles ist so schlimm, ich bin so eine Rabenmutter“, sprudelte die Stimme von Marks Mutter, seiner guten Freundin, los, kaum dass er den Hörer in der Hand hatte.
„Was ist los Lissy? Und kann ich dich vielleicht später anrufen? Timmy geht es gerade gar nicht gut …“
„Nein nicht auch noch Timmy.“ fiel ihm Lissy ins Wort, „es reicht doch schon, dass Mark von uns gegangen ist.“

Tage später konnte man in der Zeitung lesen: Fünf Kinder nach Verzehr von genmanipulierten Äpfeln gestorben.

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